Das Cuandixia-Dorf

  • Standort: etwa 100 km westlich von Peking, China
  • Gründe für einen Besuch: Ein altes Dorf am Berghang mit gut erhaltenen Häusern aus der Ming-Dynastie
  • Unsere Bewertungen: ★★★★
  • Öffnungszeit: Täglich geöffnet
     

Auf dem alten Land von Peking liegt ein altes Bergdorf mit friedlicher Ruhe und unverwechselbarem Charakter. Es ist die „kulturelle Perle der alten Dörfer“ – das Dorf Cuandixia, das sich still in den tiefen Tälern im Westen Pekings versteckt. Das Cuandixia-Dorf (auch Chuandixia genannt) befindet sich in der Gemeinde Zhaitang im Bezirk Mentougou, etwa 90 Kilometer westlich des Zentrums von Peking. Traditionelle Wohnanlagen, faszinierende historische Relikte und einzigartige Volksbräuche kennzeichnen dieses alte Dorf, das von einer bergigen Landschaft umgeben ist.
 

Geschichte

Das Dorf blickt auf eine über 500-jährige Geschichte zurück, die bis in die Ming-Dynastie (1368–1644) reicht. Es war einst wohlhabend, doch heute sind nur noch 76 Höfe erhalten, die natürliche Erosion und Kriegseinwirkungen überstanden haben. Insgesamt bewohnen noch 29 Familien das Dorf. Obwohl es seinen vergangenen Glanz eingebüßt hat, ziehen die Ursprünglichkeit und Einfachheit des Dorfes in den letzten Jahren immer mehr Besucher an.


Herkunft des Namens

Es ranken sich viele Legenden um den Namen des Dorfes. Die plausibelste besagt, dass das Dorf unter einem wichtigen militärischen Pass lag, dem Cuanli’an-Pass – daher der Name „Cuandixia“, was „Dorf unterhalb des Cuanli’an-Passes“ bedeutet. Eine andere Legende erzählt, dass das Schriftzeichen „爨“ (Cuan) im Altchinesischen „Ofen“ oder „Herd“ bedeutet. Die Dorfbewohner nannten ihre Siedlung „Ort unter dem Ofen“, um sich vor Kälte zu schützen. Alle Einwohner tragen den Nachnamen Han (韩), ein Zeichen, das genauso klingt wie das Zeichen 寒 („Kälte“). Ihre Vorfahren wählten diesen Namen in der Hoffnung, auf diese Weise der Kälte zu trotzen oder sie abzuwehren.
 

Die Anlage des Dorfes

Das Dorf wurde dem Gelände der Hänge des Longtou-Berges folgend angelegt und ist aus der Vogelperspektive sycee-förmig (ein bootförmiges Gold- und Silberingot). Vom höchsten Punkt des Gebirges aus sind die Höfe fächerförmig bis zum Fuß hinab angeordnet. Weil ebene Flächen äußerst begrenzt waren, wurden die Häuser beengt und lückenlos überall dort errichtet, wo es möglich war. Die Bewohner nutzten jeden schmalen Streifen Bergland vollständig aus, um ihre Häuser zu bauen, um mehr Land für die Landwirtschaft freizugeben. Diese Zeit war geprägt von Hungersnöten nach dem Krieg.
 

Die Wahl des Standortes steht im Zusammenhang mit dem chinesischen Feng Shui. Nach dessen Regeln sollte ein glückverheißender Platz an einem stabilen Berg liegen, einen niedrigeren Berg vor sich und sanfte Hügel auf beiden Seiten haben. Der Standort des Dorfes erfüllt diese Bedingungen: Im Rücken der Longtou-Berg als Rückhalt, vorne der niedrigere Jinchan-Berg und umgeben von weiteren kleinen Hügeln. All dies galt als glückbringend und sollte das Dorf vor Naturkatastrophen wie Überschwemmungen schützen.
 


Höfe

Die meisten Gebäude des Dorfes sind traditionelle Siheyuan-Höfe (von Gebäuden umschlossene Viereckhöfe). Diese folgen dem typischen Aufbau Pekinger Höfe: eine Haupthalle im Norden, Seitenhäuser im Osten und Westen sowie Gästezimmer im Süden. Allerdings weisen sie aufgrund der beengten Platzverhältnisse an den Berghängen und der topografischen Einschränkungen eigene Charakteristika auf: Sie sind deutlich kleiner als die Stadthöfe Pekings, aber nicht weniger kunstvoll. Statt streng rechteckig sind ihre Grundrisse oft unregelmäßiger und flexibel an das Gelände angepasst. Erbaut wurden sie vorwiegend mit lokal verfügbaren Materialien wie Holz und Stein. Ein besonderes Merkmal sind die abgerundeten bzw. bogenförmig gestalteten Außenecken, Mauern, Sockel und Torpfeiler der meisten Häuser. Diese Bauweise diente dem Hochwasserschutz, weil sie die Zerstörungskraft der Fluten mindert. Im gesamten Dorf sind mehrere gut erhaltene Höfe einen Besuch wert, darunter der Guangliang-Hof, der Caizhu-Hof, der Tempel des Generals Wudao, der Guanyu-Tempel, der Tempel der Göttin und das Mühlenhaus.
 

Dekoration und Verzierungen

In den Höfen finden sich zahlreiche kunstvolle Verzierungen aus Ziegel, Stein und Holz, insbesondere an Dächern, Dachvorsprüngen, Torpfeilern, Mauern und Fenstern. Die Motive zeigen meist Blumen, Vögel oder Tiere und spiegeln so den Wunsch der Bewohner nach einem friedvollen Leben wider. Art und Umfang der Verzierungen variieren von Hof zu Hof erheblich. An ihrem Detailreichtum und ihrer Ausarbeitung lässt sich der damalige Wohlstand der Besitzer ablesen. Im Dorf Cuandixia ist der Guangliang-Hof hierfür das bekannteste Beispiel.
 


Volksbräuche und Feste

Das Cuandixia-Dorf ist ein besonders reizvoller Ort, um das chinesische Neujahrsfest (Frühlingsfest) zu erleben. Hier sind noch alle ursprünglichen Bräuche lebendig, wie das Essen von Jiaozi (gefüllten Teigtaschen), das Zünden von Feuerwerk und das Läuten der Neujahrsglocke. Dort können Besucher in eine deutlich intensivere Feststimmung eintauchen als in modernen Großstädten. Zum Laternenfest opfern die Dorfbewohner den Göttern. Zu den Bräuchen gehört auch, dass sie bunte Laternen als kleine Boote auf Flüsse setzen oder als Himmelslaternen (Kongming-Deng) steigen lassen, um Glück zu bringen. Das Qingming-Fest (Tag der Grabflege) ist ein ganz besonderer Tag für die Einheimischen. Die wichtigsten Bräuche sind an diesem Tag das Gedenken der Ahnen und das Schaukeln. In ihrer Freizeit veranstalten die Dorfbewohner Erzähl- und Gesangsabende, bei denen sie oft aus klassischer Literatur, der lokalen Oper oder historischen Romanen zitieren. Ihre traditionelle Kultur und Kunst sind auf bezaubernde und faszinierende Weise untrennbar mit dem Alltagsleben verbunden.
 

Das Dorf wurde als nationales Kulturerbe unter Schutz gestellt und ist ein bedeutendes Tourismusziel. Es bot sich auch als hervorragendes Fotomotiv an. Viele Familien, Nachkommen der Gründerfamilie, bewirteten Besucher in ihren Häusern mit selbstgemachten Mahlzeiten.
 

So kommt man zum Dorf Cuandixia

Nehmen Sie die U-Bahn Linie 1 oder 6 bis zur Station Pingguoyuan. Von dort fahren Sie mit den Buslinien M11 oder M22 zur Haltestelle Zhaitang und steigen dann in den Bus M12 um, der direkt ins Dorf bringt.
 

Achtung: Der Bus M11 fährt täglich um 6:55, 12:30 und 17:00 am U-Bahnhof Pingguoyuan ab, während der M12 um 6:20, 9:20 und 14:00 am Busbahnhof Zhaitang startet.
 

Tipps für Besucher

Eintritt: Kostenlos
Öffnungszeiten: 24 Stunden geöffnet
Übernachtung: Die Höfe im Dorf bieten Übernachtungsmöglichkeiten für Besucher zu Preisen von etwa 100-200 CNY pro Zimmer.
Einkaufen:Vor der Abreise kann man Souvenirs oder lokale Spezialitäten erwerben. Hier sind einige beliebte Beispiele:

  • Souvenirs: Miniatur-Dachziegel, Laternen, Papierschnitte, Ziegelschnitzereien, Holzschnitzereien.
  • Lokale Spezialitäten: Walnüsse, Mandeln, Kamelientee, Honig, Trockenfrüchte.