Lernen Sie, Terrakotta-Krieger als Tonfiguren herzustellen
Tonfiguren sind eine antike chinesische Grabkunst, die sich über verschiedene Dynastien hinweg entwickelte und vielfältige künstlerische und dekorative Werke hervorbrachte. Die berühmtesten unter ihnen sind zweifellos die Terrakotta-Krieger des Ersten Kaisers von Qin, Qin Shi Huang. Wenn Sie nach Xi'an kommen, können Sie nicht nur dieses Weltwunder besichtigen, sondern auch an einem Töpferkurs teilnehmen, in dem Sie selbst solche Figuren herstellen können.
Über chinesische Tonfiguren
Tonfiguren sind Skulpturen von Menschen oder Tieren aus Lehm, die im alten China in der Regel für rituelle Zwecke verwendet wurden. Ihre Ursprünge reichen bis in die Shang- und Zhou-Dynastie zurück, auch wenn die handwerklichen Fähigkeiten damals noch gering waren. Bis zur Qin-Dynastie erreichten sie jedoch bereits ein hohes Maß an naturgetreuer Darstellung. Die bekanntesten Beispiele hierfür sind die weltberühmten Terrakotta-Krieger Qin Shi Huangs. Durch kontinuierliche Weiterentwicklung erreichte die Kunst der Tonfiguren in der Sui- und Tang-Dynastie einen neuen Höhepunkt, insbesondere durch die farbenprächtigen und prachtvollen dreifarbig glasierten Figuren (Sancai). Danach nahm die Verwendung von Tonfiguren jedoch mit der zunehmenden Bedeutung von Wächterfiguren und sich wandelnden Bestattungssitten stark ab, bis sie in der Qing-Dynastie schließlich ganz verschwanden.

Wie die Terrakotta-Armee hergestellt wurde
Die meisten Figuren der berühmten Terrakotta-Armee wurden im Keramikbrandverfahren gefertigt. Zunächst erstellte man aus Lehm Formen für den Rohling. Dieser Rohling wurde dann mit einer Schicht feiner Tonschlämme überzogen, weiter bearbeitet und bemalt. Einige Figuren wurden gebrannt, bevor ihre Einzelteile zusammengesetzt wurden, andere erst danach. Dank gleichmäßiger Brenntemperaturen erreichten die fertigen Stücke eine reine Farbgebung und eine außergewöhnliche Härte. Jeder Arbeitsschritt unterlag einer spezifischen Arbeitsteilung, und der gesamte Prozess folgte einem strengen Regelsystem. Archäologen haben diese Abläufe intensiv erforscht und versucht, den genauen Produktionsprozess zu rekonstruieren.
- Kneten: Zunächst wird Erde und Wasser aus der Nähe der Grabstätte zu Lehm verknetet. Anschließend wird dieser mit Holzstöcken gleichmäßig durchgerührt, um Luftblasen und Verunreinigungen zu entfernen, bis der Lehm geschmeidig ist.
- Formgebung: Ist der Lehm bereit, wird er in Formen portioniert und geformt.
- Guss: Der geformte Lehm wird in Gussformen gelegt, aus denen später Arme, Beine und Füße der Krieger entstehen.
- Formgebung des Rumpfes: Anschließend werden Wülste aus Lehm als Grundlage für den Rumpf geformt. Dieser wird auf die beiden Beine gesetzt. Danach arbeiten die Handwerker Details wie Rüstung und Kleidung mit Werkzeugen heraus.
- Kopffertigung: Als Nächstes werden die Köpfe der Krieger mithilfe von Formen gefertigt. Nach dem Guss fügen die Handwerker individuelle Elemente hinzu: Mund, Ohren, Augenbrauen, Gesichtsbehaarung und Kopfbedeckungen (je nach Rang des Dargestellten).
- Brennen: Danach werden Rumpf und Kopf der Figuren getrennt voneinander in den Brennofen eingesetzt und gebrannt, um sie hart und dauerhaft zu machen. Dieser Schritt erfolgte wahrscheinlich in den für diese Region Chinas typischen Lehmöfen.
- Montage: Die gebrannten Einzelteile der Terrakotta-Figuren werden zusammengesetzt, sodass vollständige Krieger entstehen. Anschließend werden sie mit Waffen und Ausrüstung versehen: Armbrüsten, Bögen, Speeren oder Schwertern.
- Grundierung: Die gesamte Figur wird dann mit einer Schutzschicht aus Farbe grundiert, um die Statue und die Waffen zu konservieren.
- Bemalung: Abschließend werden die Terrakotta-Krieger mit verschiedenen Pigmenten wie Ocker, Zinnoberrot, Kupfergrün und Eisenschwarz bemalt, sodass sie in reichen Farben und mit lebhaftem Glanz erscheinen.
Die Terrakotta-Armee war ursprünglich bemalt. Leider sind die Farben bei den meisten Figuren aufgrund historischer Umstände und natürlicher Erosion verblasst oder abgeblättert. Nur wenige von ihnen bewahren noch ihre ursprüngliche Farbgebung.
Wo Sie einen Töpferkurs für Terrakotta-Figuren besuchen können
Wenn Sie den Herstellungsprozess von Tonfiguren persönlich erleben oder ein einzigartiges Souvenir von der Terrakotta-Armee mit nach Hause nehmen möchten, können Sie die folgenden Orte aufsuchen:
Das Mausoleum von Qin Shi Huang („Qin-Akademie“, 秦始皇陵博物馆)
Gleich neben der Terrakotta-Armee befindet sich in einem Nebengebäude die „Qin-Akademie“. Hier können Sie die Herstellung von Terrakotta-Kriegern selbst ausprobieren. Der Kurs ist besonders für Kinder und Familien geeignet, um den Fertigungsprozess kennenzulernen und praktisch zu erfahren.
Standort: 1,5 km östlich des Mausoleums von Qin Shi Huang, Qinling North Road, Bezirk Lintong, Xi’an, Shaanxi
Anfahrt: Nehmen Sie die Buslinien 5 (306), 914 oder 915 bis zur Haltestelle „Museum der Terrakotta-Armee“ und gehen Sie von dort aus zu Fuß.
Öffnungszeiten: 10:30 – 17:30 Uhr

„Qin Wang“-Werkstatt für archäologische Repliken („Qin Wang Cultural Relics Replication Factory“, 秦王文物复制厂)
Dies ist ein umfassender Betrieb, der Produktion, Ausstellung, Verkauf und Erforschung der Terrakotta-Armee vereint. Hier können Sie verschiedene Repliken der Terrakotta-Krieger bestaunen – im Maßstab von 1:1 bis 1:10 und als Einzelfigur oder in Gruppenaufstellung. In der Werkstatt können Sie nicht nur selbst ausprobieren, wie Tonfiguren hergestellt werden, sondern auch Souvenirs der Terrakotta-Armee als Sammlerstücke oder Geschenke für Familie und Freunde erwerben.
Standort: X007, Qinling-Straße, Bezirk Lintong, Xi’an, Shaanxi (Qinling North Road)
Öffnungszeiten: 10:00 – 17:00 Uhr
Ablauf eines Töpferkurses für Tonfiguren
Nach Betreten der Werkstatt zeigt das Personal den Besuchern üblicherweise einen kurzen Dokumentarfilm über die Terrakotta-Armee (ca. 3–5 Minuten). Anschließend wählt man die gewünschte Gussform für seinen Terrakotta-Krieger aus, legt Schürze und Handschuhe an und erhält den Ton. Unter der praktischen Anleitung des Kursleiters beginnt dann die eigentliche Herstellung der Figur (Dauer: ca. 60 Minuten).
- Man verwendet den lokal typischen roten Ton. Zunächst wird die Form gefüllt, der Ton fest angedrückt und in der Form ausgeformt. Nach dem Öffnen der Form beginnt man, die Figur mit Werkzeugen nachzubearbeiten. Bei Fragen kann man sich jederzeit an den Kursleiter wenden.
- Die fertige Tonfigur kann zwar direkt mitgenommen werden. Da ungebrannte Figuren jedoch sehr bruchempfindlich sind, wird dringend empfohlen, sie vom Personal vor Ort brennen und sich anschließend zusenden zu lassen.
- Bei ausreichender Zeit sollte man seiner Figur abschließend eine Farbfassung geben. So wird die persönliche Nachbildung am vollständigsten und ansehnlichsten.
Das Personal in der Töpferwerkstatt spricht möglicherweise kein Deutsch. Daher empfehlen wir, den Kurs in Begleitung eines deutschsprachigen Guides zu besuchen oder sich vorab mit uns in Verbindung zu setzen.
Nützliche Informationen
Empfohlene Reisen









