Die neun beliebtesten chinesischen Süßspeisen
Liebe Freunde im deutschsprachigen Raum, nachdem ihr euch an die cremige Sanftheit von Sachertorte und die verführerische Leichtigkeit von Schwarzwälder Kirschtorte gewöhnt habt, warum nicht einmal eure Geschmacksknospen gen Osten schweifen lassen? Auch die Welt der chinesischen Süßspeisen ist reich und vielfältig. Anders als westliche Desserts, die oft auf schwere, süßliche Aromen setzen, verfolgt die chinesische Süßspeisenkunst das Prinzip „süß, aber nicht übersüß“. Mit Reis und Mehl als Basis sowie Zucker und Öl als Seele bestechen sie durch ihre zarte Textur und kunstvolle Form – und begeistern damit seit Generationen. Von kaiserlichen Leckerbissen bis hin zu volkstümlichen Snacks – jede einzelne Speise birgt Jahrtausende alte kulinarische Weisheit und kulturelle Geschichten. Die folgenden neun Süßspeisen öffnen euch die Tore zu einem völlig neuen Universum des süßen Genusses.
I. Mondkuchen – das geschmackliche Symbol der Zusammenkunft
Mondkuchen sind zu Recht der König unter den chinesischen Süßspeisen. Als unangefochtene Hauptdarsteller des Mittherbstfestes verkörpern sie den Wunsch nach Zusammenhalt und Glück. Meist rund geformt, stehen sie für die Wiedervereinigung der Familie. Die Füllungen sind vielfältig: Von traditionellen Mischungen aus fünf Trockenfrüchten und Nüssen über Lotuspaste mit Salz-Eigelb bis hin zu modernen Varianten mit Milchcreme oder Mochi-Eis – die Geschmacksrichtungen erneuern sich ständig, doch die Bedeutung der Zusammenkunft bleibt unverändert. Für Freunde im deutschsprachigen Raum erinnert die Konsistenz der Mochi-Variante an eine raffinierte „Torte im Kleinformat“: Ein knuspriger oder weicher Mantel umhüllt eine süß-duftende Füllung, und jeder Bissen ist ein kleiner Vorgeschmack auf die chinesische Familienkultur.
Auf Reisen nach Peking, Suzhou, Guangzhou, Xi'an, Kunming, Taiyuan, Huangshan oder in die Innere Mongolei könnt ihr die jeweiligen regionalen Mondkuchen-Spezialitäten kosten.

II. Tangyuan – die weiche Süße des Laternenfests
Tangyuan sind eine traditionelle chinesische Süßspeise, die vor allem zum Winteranfang (Winter Sonnenwende) und zum Laternenfest genossen wird. Sie bestehen aus einem Außenmantel aus Klebreismehl, der eine süße Füllung aus schwarzem Sesam, Erdnüssen oder Bohnenpaste umhüllt. Gekocht schwimmen sie in einem leichten Zuckerwasser. Ihre runde Form steht für familiären Zusammenhalt und vollendetes Glück. Der Teig ist weich, zäh und elastisch, die Füllung aromatisch-süß – schon ein einziger Bissen lässt Wärme und Süße von der Zungenspitze bis ins Herz strömen. Ihr könnt sie euch wie eine süße Variante von „gefüllten Klößchen“ vorstellen – nur dass die Füllung hier eben nicht herzhaft, sondern zuckersüß ist.
Ihren Ursprung haben die Tangyuan in der Stadt Mingzhou zur Zeit der Song-Dynastie, dem heutigen Ningbo in der Provinz Zhejiang. Die Hochgeschwindigkeitszugfahrt von Hangzhou nach Ningbo dauert übrigens etwa eine Stunde.

III. „Der rollende Esel“ – die süße Zartheit des alten Peking
„Der rollende Esel“ ist ein klassischer Snack aus dem alten Peking, Tianjin und anderen Regionen. Zur Zubereitung wird ein Blätterteig aus Klebreismehl ausgerollt, mit süßer Rote-Bohnen-Paste gefüllt und anschließend großzügig mit geröstetem Sojamehl bestäubt. Der Name leitet sich vom letzten Arbeitsschritt ab: Beim Aufstreuen des Sojamehls entsteht der Anblick von aufgewirbeltem Staub, der an einen wild herumtollenden Esel erinnert – daher der bildhafte Name. Beim ersten Bissen entfaltet sich zunächst das nussig-geröstete Aroma des Sojamehls, gefolgt von der weichen, zähelastischen Konsistenz des Klebreisteigs, während die Süße der Bohnenpaste langsam auf der Zunge zergeht – ohne zu kleben oder aufdringlich süß zu wirken. Es heißt, dass diese Leckerei zu den Lieblingssüßspeisen der Kaiserinwitwe Cixi gehörte. Im Jahr 1997 wurde der „Rollende Esel“ offiziell als „Berühmter chinesischer Snack“ ausgezeichnet und ist längst zu einem kulturellen Wahrzeichen der chinesischen Süßspeisenkunst geworden.

IV. Blumenkekse – den Duft des Frühlings in Yunnan kosten
Blumenkekse sind ein kulinarisches Wahrzeichen der südwestchinesischen Provinz Yunnan. Bereits in der Qing-Dynastie zählten sie zu den kaiserlichen Süßspeisen und erfreuten sich besonderer Wertschätzung bei Kaiser Qianlong – heute sind sie die geschmackliche Visitenkarte Yunnans schlechthin. Die Füllung wird aus frischen, gefülltblütigen Rosen der Saison hergestellt, in einen mürben Teig gehüllt und goldbraun gebacken, bis sie knusprig duften. Frisch aus dem Ofen genügt ein sanfter Biss, und die zarte Kruste zerbröselt; die üppige Rosenfüllung überzeugt mit ihrer feinen Blütenblatt-Struktur, die man beim Kauen deutlich spürt – ein harmonisches Zusammenspiel von blumigen und malzigen Aromen, süß, aber niemals aufdringlich. Als immaterielles Kulturerbe Yunnans sind sie längst zum beliebtesten Mitbringsel für Reisende aus aller Welt geworden. Für viele ist es, als würde man mit jedem Bissen den Frühling im ganzen Duft erleben.

V. Dan Huang Su – die süß-salzige Sinfonie eines echten Internet-Hits
Dan Huang Su, also „Gebäck mit Eigelb-Füllung“, ist ein echter Internetsensation, der in den sozialen Medien für Furore gesorgt hat. Das Gebäck besteht aus einem feinen, blättrig-schichtigen Mürbeteig, der eine Füllung aus süßer Rote-Bohnen-Paste und einem salzigen Eigelb umhüllt und goldbraun gebacken wird. Die Kruste ist knusprig, die Füllung cremig-weich; das kräftige Aroma des salzigen Eigelbs kontrastiert aufs Köstlichste mit der zarten Süße der Bohnenpaste – ein harmonisches Wechselspiel von salzig und süß, das mit jeder Schicht an Komplexität gewinnt. Heute gibt es viele Variationen, etwa mit Matcha-Pulver oder violetter Süßkartoffel. Ihr könnt es euch wie eine chinesische Variante eines Blätterteig-Gebäcks vorstellen – knusprig, vielschichtig, und mit einer überraschenden süß-salzigen Füllung, die man so nicht erwartet.

VI. Mungbohnen-Gebäck – ein kühlender Genuss, der Nord und Süd verbindet
Mungbohnen-Gebäck ist eine traditionelle chinesische Süßspeise, die als erfrischender Snack gilt. Hergestellt aus geschälten Mungbohnen, weißem Zucker und Butter, wird die Masse zu kleinen quadratischen oder blütenförmigen Stücken gepresst. Im Norden Chinas ist das Gebäck fester und etwas süßer, im Süden hingegen weicher und häufig mit einem Hauch Minze verfeinert. An heißen Sommertagen sorgt schon ein einziges Stück für eine spürbare Abkühlung. Der Überlieferung nach aß man es bereits in der Antike während des Duanwu-Festes, um sich Gesundheit und Wohlbefinden zu erbitten. Die Konsistenz ist zartschmelzend, der Geschmack dezent und niemals aufdringlich – es erinnert entfernt an ein feines Eis, jedoch mit der warmen, nussigen Note der Mungbohne.

VII. Tanghulu – kristallklare Süße vom Straßenstand
Tanghulu ist einer der beliebtesten traditionellen Straßensnacks Chinas. Dazu werden Früchte wie Weißdornbeeren oder Erdbeeren auf Bambusspieße aufgereiht, in kochenden Zuckersirup getaucht und anschließend ausgehärtet – so entsteht um jede Frucht herum eine knusprige, glasartige Zuckerschicht. Außen knackig-süß, innen saftig-fruchtig mit einer angenehm säuerlichen Note – das Zusammenspiel von Texturen und Aromen macht den besonderen Reiz aus. Ursprünglich aus Peking stammend, ist Tanghulu heute im ganzen Land verbreitet. Ihr könnt es euch wie eine chinesische Variante von kandierten Früchten am Stiel vorstellen – nur dass hier jede Frucht einzeln in eine magische, karamellfarbene Glasur gehüllt wird.

VIII. Mandeltofu – die erfrischende Eleganz der kaiserlichen Tafel
Mandeltofu ist eine traditionelle chinesische Süßspeise, die hauptsächlich aus süßen Mandeln und Milch hergestellt wird und ihren Namen der tofuähnlichen Form verdankt. Seine Ursprünge reichen bis in die Zeit der Drei Reiche zurück; später fand er seinen Weg von der Volksküche an den kaiserlichen Hof und wurde zu einem der Desserts des berühmten „Man-Han-Festmahls“. Das fertige Mandeltofu ist strahlend weiß, von samten-zarter Konsistenz und zerschmilzt förmlich auf der Zunge – serviert wird es häufig mit einem leichten Sirup oder frischem Obst. Der Geschmack ist erfrischend und mild, während das feine Mandelaroma sich langsam im Mund entfaltet – eine vorzügliche Wahl für heiße Sommertage. Ihr könnt es euch wie eine chinesische Variante einer Mandel-Panna-Cotta vorstellen – nur noch leichter und feiner in der Textur.

IX. Yangzhi Ganlu – der Inbegriff erfrischender Hongkonger Dessertkunst
Yangzhi Ganlu ist ein Klassiker der kantonesischen Dessertküche, der in den 1980er Jahren in den Hongkonger Restaurants dieser Stilrichtung kreiert wurde. Die Hauptzutaten sind Pampelmuse und Mango, dazu kommen Sago-Perlen, Kokosmilch, Sahne und Zucker. Der Name setzt sich zusammen aus „Yangzhi“ – was auf die baumstämmigen Zutaten wie Mango und Pampelmuse verweist – und „Ganlu“, was für Kokosmilch und Sahne steht. Das Geschmackserlebnis ist ein ausgewogenes Wechselspiel von süß und säuerlich, fein und zugleich erfrischend. Der Name ist einer Legende nach vom „Yangzhi Ganlu“ inspiriert, dem heiligen Trank, den die Göttin Guanyin in ihrer Hand hält – er gilt als Symbol für Glück und Wohlstand. Ihr könnt es euch wie eine exquisite Symphonie tropischer Früchte vorstellen: die intensive Süße der Mango, die spritzige Frische der Pampelmuse und die cremige Fülle der Kokosmilch – all das vereint sich in einem einzigen Löffel zu einem harmonischen Tanz auf der Zunge.

Warum essen wir auf Reisen eigentlich so gerne Süßes?
Reisen ist anstrengend – körperlich wie geistig. Zucker liefert schnell Energie, kurbelt die Ausschüttung von Dopamin an und hilft so, Müdigkeit und Stress abzubauen. Ein kleiner süßer Moment sorgt eben sofort für ein gutes Gefühl.
Regionale Süßspeisen – ob kantonesische Suppensüßspeisen, fermentierter Klebreis aus dem Nordwesten oder kreative Eiskreationen – sind kleine kulinarische Schatztruhen. Wer sie probiert, bekommt auf ganz sinnliche Weise einen Eindruck von der Geschichte und den Essgewohnheiten einer Region.
Hübsch angerichtete Desserts sind wie gemacht fürs Foto – und damit auch fürs Teilen in den sozialen Medien. Und oft bleibt der Geschmack einer einzigartigen Süßspeise noch lange im Gedächtnis, viel lebendiger als manches Landschaftsfoto.
Nach herzhaften, scharfen oder fettigen Gerichten wirkt ein Dessert wie ein kleiner Neustart für den Gaumen: Es mildert die Schärfe, neutralisiert den Geschmack und rundet das kulinarische Erlebnis auf angenehme Weise ab.
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