Wie viele Tage sollte man in Guilin verbringen?

Der perfekte Reiseführer für 4 Tage und 3 Nächte – für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum
 

Liebe Freunde aus dem deutschsprachigen Raum – wenn ihr mich fragt, wie viele Tage man in Guilin einplanen sollte, lautet meine Antwort: mindestens vier Tage und drei Nächte. Die Schönheit Guilins liegt nicht darin, von einem Ort zum nächsten zu hetzen, sondern darin, die Atmosphäre langsam in sich aufzunehmen. Ein zu kurzer Aufenthalt lässt euch die feinen Nuancen der Landschaft verpassen, während ein zu langer Aufenthalt euch fast von der überwältigenden Pracht erschlagen könnte. Vier Tage sind genau die richtige Zeitspanne, um die Essenz Guilins tief im Gedächtnis zu verankern – ganz ohne Hektik oder Stress.
 


Xianggong-Berg (Xianggong Shan)
 

Warum ausgerechnet vier Tage?

Die Landschaft Guilins entfaltet sich auf drei Ebenen: die Reisterrassen hoch oben in den Bergen, der Li-Fluss tief im Tal und die Höhlen tief unter der Erdoberfläche. Ein Tag ist zu hektisch, zwei Tage zu anstrengend, drei Tage reichen nicht, um sie wirklich zu genießen – vier Tage sind genau richtig: Der erste Tag, um die Reisterrassen hautnah zu erleben, der zweite, um die Stille auf dem Li-Fluss zu genießen, der dritte, um die frische Landluft am Yulong-Fluss zu atmen, und der vierte, um die verborgenen Höhlenwelten zu entdecken. Jeder Tag bringt eine völlig neue landschaftliche Erfahrung – keine gleicht der anderen.
 

Erster Tag: Auf den Terrassen – unter dem Sternenhimmel

Vormittag: Abfahrt von Guilin zu den Longji-Reisterrassen

Die Longji-Reisterrassen (auch bekannt als Longsheng-Reisterrassen) liegen im Autonomen Kreis Longsheng, der zur Stadt Guilin gehört. Vom Stadtzentrum Guilins aus sind es mit dem Auto etwa 2,5 bis 3 Stunden Fahrtzeit. Vom Busbahnhof Qintan in Guilin verkehren täglich zahlreiche Busse nach Longsheng – und zwar von 06:10 bis 17:50 Uhr, im Durchschnitt alle 20 bis 30 Minuten. Alternativ kann man ein Auto mieten (etwa 300 Yuan pro Fahrzeug für eine Direktfahrt ins Dorf Ping'an) oder vom Hauptbahnhof Guilin einen direkten Bus nehmen (etwa 50 Yuan pro Person).
 

Der Eintrittspreis beträgt etwa 80 Yuan und berechtigt zum Zugang zu drei Gebieten, darunter das alte Zhuang-Dorf (der Minderheit der Zhuang), das Dorf Ping'an (Frieden) und das Dorf Jinkeng Dazhai. Das Gelände ist ganztägig geöffnet. Normalerweise besucht man an einem Tag nur ein Dorf – so bleibt die Tour entspannt und nicht zu anstrengend.
 


Die Longji-Reisterrassen
 

Nachmittag: Wanderung durch die Reisterrassen – hautnah an den Reisterrassen entlang

Die Longji-Reisterrassen wirkeit ihren sanft geschwungenen, übereinanderliegenden Feldern wie die Fingerabdrücke der Erde. Im Frühling, zur Bewässerungszeit, spiegeln sie den Himmel wie unzählige kleine Spiegel; im Sommer leuchten sie in sattem Grün; im Herbst färben sie sich golden; im Winter hüllt sie ein weißes Kleid aus Schnee und Reif – zu jeder Jahreszeit entfalten sie einen ganz eigenen Zauber. Am besten durchquert man die Felder zu Fuß oder nimmt die Seilbahn hinauf zum höchsten Punkt von Jinkeng Dazhai. Ein kulinarisches Erlebnis der besonderen Art bietet die lokale Bauernküche: Probieren Sie unbedingt den Bambusreis oder das Hähnchen im Bambusrohr sowie den Fisch in saurer Brühe – beides typische Spezialitäten der Region.
 

Abend: Rückkehr nach Guilin – Nachtaufnahme der Sonnen- und Mondpagoden

Die Rückfahrt von den Reisterassen nach Guilin ist gegen vier oder fünf Uhr nachmittags geplant. Die Sonnen- und Mondpagoden sind das Wahrzeichen der Stadt: Die Sonnenpagode ist aus Kupfer, die Mondpagode aus farbigem Glas gefertigt – der eine golden, der andere silbern glänzend, erheben sie sich majestätisch über den Shanhu-See. Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Pagoden beleuchtet und spiegeln sich im glitzernden Wasser des Sees – ein einziger Klick genügt, und Sie haben ein postkartenreifes Bild im Kasten. Ein abendlicher Spaziergang entlang des Ufers des Shanhu-Sees, begleitet von einer sanften Brise, ist der schönste Abschluss dieses ersten Tages.
 

Unterkunftstipp: Übernachten Sie in dieser Nacht am besten im Stadtzentrum von Guilin. Wir empfehlen ein Hotel in der Nähe der Zwei Flüsse und Vier Seen oder des Zentralplatzes, damit Sie am nächsten Morgen bequem und ohne Zeitverlust starten können.
 


Die Sonnen- und Mondpagoden
 

Zweiter Tag: Flussabwärts – von Guilin nach Yangshuo

Vormittag: Li-Fluss-Kreuzfahrt – 4,5 Stunden in einer schwimmenden Kunstgalerie

Dies ist die wohl klassischste Etappe einer Guilin-Reise. Vom Anleger Mopan Shan oder Zhujiang in Guilin aus besteigen Sie ein Drei- oder Vier-Sterne-Schiff, das Sie auf dem Li-Fluss flussabwärts nach Yangshuo bringt – die Fahrt dauert etwa 4,5 Stunden. Der Fahrpreis für ein Drei-Sterne-Schiff beträgt etwa 215 Yuan pro Person, für ein Vier-Sterne-Schiff etwa 360 Yuan pro Person (jeweils inklusive Mittagsbuffet).
 

Entlang der Strecke eröffnen sich Ihnen die schönsten Landschaftsbilder des Li-Flusses: spektakuläre Gipfel, die sich beidseits des Ufers erheben, und grüne Berge, die wie auf dem Wasser zu schweben scheinen. Wenn das Schiff am Neun-Pferde-Freskenhügel (Jiuma Huashan) vorbeifährt, lassen sich auf den Felswänden schemenhaft die Umrisse galoppierender Pferde erkennen. Ein einheimisches Sprichwort sagt dazu: Drei Teile sind Ähnlichkeit, sieben Teile sind Einbildungskraft. Ein weiteres Highlight ist der Ort, der als Motiv für die Rückseite des 20-Yuan-Scheins diente – der Spiegel des Gelben Tuches (Huangbu). Vergessen Sie nicht, einen 20-Yuan-Schein mitzunehmen, um ein Erinnerungsfoto mit der echten Kulisse zu machen.
 


Der 20-Yuan-Schein – der berühmte Fotomotivpunkt
 

Nachmittag: Ankunft in Yangshuo – Einchecken in der Nähe der West Street

Die Ankunft am Anleger von Yangshuo ist gegen 14:00–15:00 Uhr geplant. Die Stadt Yangshuo ist nicht sehr groß; es empfiehlt sich, eine Unterkunft in der Nähe der West Street zu wählen, um abends bequem den Nachtmarkt besuchen und tagsüber die Sehenswürdigkeiten gut erreichen zu können.
 

Abend: West Street – die Stadt, die niemals schläft, wo Ost und West verschmelzen

Die West Street ist die berühmteste Fußgängerzone Yangshuos. Ihr mit blauen Steinplatten gepflasterter Weg wird gesäumt von unzähligen Läden und Bars. Hier gibt es sowohl lokale Spezialitäten – Bierfisch, gefüllte Schnecken – als auch westliche Restaurants und Cafés. Für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum strahlt die West Street eine eigenartige Vertrautheit aus: Sie wirkt wie ein kleines Abbild einer europäischen Altstadt und ist doch ganz erfüllt von der lebendigen Atmosphäre Südchinas.
 

Abendprogramm: Impression Liu Sanjie – eine Open-Air-Show mit der Natur als Bühne
 

Dabei handelt es sich um eine große Live-Show vor natürlicher Kulisse, inszeniert von dem berühmten Regisseur Zhang Yimou (dem künstlerischen Leiter der Eröffnungs- und Schlussfeier der Olympischen Spiele 2008 in Peking). Die Aufführung findet an der Mündung des Li-Flusses in den Tianjia-Fluss statt – der Li-Fluss dient auf einer Fläche von zwei Quadratkilometern als Bühne, während zwölf Berggipfel die natürliche Kulisse bilden. Die Show beginnt in der Regel nach Einbruch der Dunkelheit, etwa zwischen 19:00 und 21:00 Uhr; die Eintrittspreise liegen zwischen etwa 200 und über 300 Yuan. Über sechshundert Fischer, Schauspieler und Einheimische wirken mit – Licht, Gesang und Landschaft verschmelzen zu einem einzigen, unvergesslichen Erlebnis, das es so nirgendwo sonst auf der Welt zu sehen gibt.
 

Unterkunftstipp für diese Nacht: Wir empfehlen Ihnen, in Yangshuo zu übernachten – am besten in einem Hotel in der Nähe der West Street oder entlang des Ufers des Yulong-Flusses.
 


Die West Street
 

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Dritter Tag: Beschauliche Bambusfloßfahrt – Rückkehr nach Guilin

Vormittag: Bambusfloßfahrt auf dem Yulong-Fluss – wie durch ein Gemälde gleiten

Der Yulong-Fluss wird auch als kleiner Li-Fluss bezeichnet. Anders als auf dem Li-Fluss, wo große Motorschiffe verkehren, werden hier jedoch handgefertigte Bambusflöße eingesetzt – pro Floß zwei Personen. Es ist ein ruhiges, langsames Erlebnis, fernab vom Lärm und Trubel der Welt.
 

Empfohlen wird der Abschnitt von Jinlongqiao nach Jiuxian – das ist das Herzstück der Yulong-Floßfahrt und dauert insgesamt etwa 90 Minuten. Die Bambusflöße gleiten über das smaragdgrüne Wasser, während sich die Karstformationen am Ufer im Fluss spiegeln und aus den Bauernhäusern am Ufer der Rauch der Kochstellen aufsteigt. Am besten besteigt man die Flöße zwischen 8 und 9 Uhr morgens, wenn das Licht weich ist, die Sonne noch nicht zu stark brennt und die Menschenmassen noch überschaubar sind.
 


Bambusfloßfahrt auf dem Yulong-Fluss
 

Nachmittag: Fahrradtour oder Spaziergang durch die ländliche Idylle

Nachdem Sie vom Floß gestiegen sind, können Sie am Ufer des Yulong-Flusses ein Fahrrad oder einen Elektroroller mieten und gemütlich über die Landstraßen radeln. Unterwegs entfaltet sich die typische südchinesische Landschaft: Reisfelder, Wasserbüffel, weiße Reiher und ferne Berge. Es gibt keinen Grund zur Eile – halten Sie an, machen Sie ein paar Fotos oder trinken Sie ein Glas Zuckerrohrsaft an einem der Straßenstände – das ist die schönste Art zu reisen.
 


Radfahren
 

Abend: Rückkehr nach Guilin – Spaziergang durch die Fußgängerzone Zhengyang und die Dongxi-Gasse (Ost-West-Gasse)

Gegen drei oder vier Uhr nachmittags geht es mit dem Bus von Yangshuo zurück nach Guilin (die Fahrt dauert etwa eineinhalb Stunden). Nach dem Einchecken im Hotel empfiehlt sich ein Bummel durch die Fußgängerzone Zhengyang und die Dongxi-Gasse. Diese beiden Straßen, direkt nebeneinander gelegen, bilden das lebendigste Geschäftsviertel im Zentrum Guilins: Die Zhengyang-Fußgängerzone ist gesäumt von Imbissständen und Läden, während die Dongxi-Gasse ihren architektonischen Stil aus der Ming- und Qing-Dynastie bewahrt hat – mit blauen Ziegeln, schwarzen Dachziegeln und hoch aufgehängten Laternen. Bei Einbruch der Dunkelheit, wenn die Lichter angehen, entsteht eine Atmosphäre, die alten Charme mit dem pulsierenden Alltagsleben verbindet.
 

Unterkunftstipp für diese Nacht: Übernachten Sie im Stadtzentrum von Guilin – das erleichtert das Programm für den vierten Tag.
 

Vierter Tag: Die Karsthöhle – ein perfekter Abschluss

Vormittag: Schilfrohrflötenhöhle – der Palast der Natur

Die Schilfrohrflötenhöhle liegt am Ufer des Taohua-Flusses, nordwestlich des Stadtzentrums von Guilin, und ist eine der bekanntesten und dem Stadtzentrum am nächsten gelegenen Karsthöhlen. Im Inneren nehmen Stalagmiten, Stalaktiten, Säulen und Kalkvorhänge die unterschiedlichsten Formen an – farbig beleuchtet entsteht eine märchenhafte, fast traumartige Atmosphäre. Die Höhle wurde bereits von zahlreichen Staatsgästen besucht und gilt als das Aushängeschild der Guiliner Karsthöhlen.
 

Die Öffnungszeiten in der Hauptsaison (April bis Dezember) sind von 7:30 bis 18:00 Uhr; der Eintrittspreis liegt bei etwa 76–90 Yuan, der Rundgang durch die Höhle dauert etwa eine Stunde.
 


Die Schilfrohrflötenhöhle
 

Mittag: Die letzte Schüssel Guilin-Reisnudeln (Guilin-Mifen)

Bevor Sie Guilin verlassen, gönnen Sie sich noch eine letzte Schüssel echte Guilin-Reisnudeln. Eine Portion Guilin-Reisnudeln mit eingelegtem Gemüse, ohne Brühe gegessen und erst zum Schluss mit Brühe aufgegossen – so genießen sie die Einheimischen am liebsten.
 

Nachmittag: Transfer zum Flughafen oder Bahnhof – Aufbruch zum nächsten Ziel

Je nach Abflug- oder Zugfahrzeit geht es vom Stadtzentrum Guilins aus entweder zum Flughafen Guilin-Liangjiang (etwa 50 Minuten mit dem Flughafenbus, 20 Yuan pro Person) oder zum Bahnhof Guilin bzw. Guilin-Nord, um den Hochgeschwindigkeitszug zu nehmen.
 

Praktische Reisetipps für Gäste aus dem deutschsprachigen Raum

Reisezeit: Guilin ist zu jeder Jahreszeit schön, doch das beste Reiseklima herrscht im Frühling und Herbst (April–Mai, September–November). Der Sommer ist regenreich und schwül, der Winter feucht und kühl – aber auch diese beiden Jahreszeiten haben ihren ganz eigenen Reiz.
 

Richtwerte für das Budget: Die Pro-Kopf-Ausgaben für einen Aufenthalt von vier Tagen und drei Nächten (inklusive Eintrittskarten, Transport, Unterkunft und Verpflegung) liegen je nach individuellem Anspruch zwischen etwa 1.500 und 2.500 Yuan.
 

Verkehrsinformationen:
 

  • Vom Flughafen Guilin-Liangjiang verkehrt ein Direktbus nach Yangshuo (50 Yuan pro Person, Fahrtzeit etwa 1,5 Stunden).
     
  • Vom Stadtzentrum Guilins gelangt man mit dem Bus nach Yangshuo (Fahrtzeit etwa 1,5 Stunden).
     
  • Yangshuo verfügt über keinen eigenen Flughafen; der nächstgelegene ist der Flughafen Guilin-Liangjiang.
     
  • Sprache: Das Personal in den Sehenswürdigkeiten und Hotels spricht in der Regel etwas Englisch. Verkäufer auf den Märkten und Bewohner der Dörfer hingegen sprechen oft nur Chinesisch. Es kann daher sehr hilfreich sein, eine Übersetzungs-App auf dem Smartphone zu installieren.
     
  • Zahlungsmittel: In größeren Städten und touristischen Zentren kann man problemlos mit WeChat Pay und Alipay bezahlen. Auf dem Land und an Straßenständen ist es jedoch ratsam, immer etwas Bargeld dabei zu haben.
     

Fazit

In vier Tagen und drei Nächten reisen Sie von den wolkenumhüllten Reisterrassen über die Wasser des Li-Flusses bis in die Tiefe der Karsthöhlen und hin zu den Lichtern der West Street. Eine Erkenntnis, die Guilin Reisenden aus dem deutschsprachigen Raum mitgibt: Schönheit ist nicht dazu da, sie nur anzusehen – sondern sie mit allen Sinnen zu erleben. So wie Sie vielleicht die Gelassenheit des mediterranen Lebens schätzen gelernt haben, so werden Sie zwischen den Bergen und Flüssen Guilins spüren, dass es Landschaften gibt, für die man vier Tage seines Lebens eintauschen darf – als Gegenwert für Erinnerungen, die ein Leben lang halten.
 

Gute Reise!

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