Führer zu den Morgen- und Nachtmärkten von Guilin
Ein Reiseführer für deutschsprachige Besucher – das echte Straßenleben erleben
Liebe Freunde aus dem deutschsprachigen Raum, wenn ihr nach Guilin kommt, nur um die atemberaubende Landschaft zu bewundern, seht ihr nur die Hälfte dieser faszinierenden Stadt. Die Seele Guilins besteht zur Hälfte aus Landschaft, zur anderen Hälfte aus ihren Märkten: Der Morgenmarkt ist der Herzschlag der erwachenden Stadt, während der Nachtmarkt das ausgelassene Fest ist, bevor die Landschaft zur Ruhe kommt. Dieser Führer nimmt euch mit, Guilin wie ein echter Einheimischer zu entdecken – mit allen Sinnen, besonders mit den Geschmacksknospen und den Füßen.

I. Der Morgenmarkt: Um halb sechs erwacht Guilin
Für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum ist der Morgenmarkt das, was der Naschmarkt in Wien, der Viktualienmarkt in München oder die Markthalle in Basel für die Einheimischen sind – das authentischste Fenster, um eine Stadt wirklich kennenzulernen. Der Morgenmarkt von Guilin beginnt bereits zwischen fünf und sechs Uhr morgens zu leben und schließt spätestens gegen ein Uhr mittags.
Erste Wahl: Der Markt Heishan – das „Flaggschiff“ der Morgenmärkte
Adresse: Nr. 206 Huancheng Xi Yilu, Bezirk Xiangshan, Guilin.
Es ist der größte und belebteste Morgenmarkt Guilins, verteilt auf zwei Stockwerke – mit Fleischständen, Obst- und Gemüsehändlern, Getreide- und Ölverkäufern sowie unzähligen Imbissständen. Ab drei Uhr morgens erwacht er langsam, und noch bevor die Sonne aufgeht, herrscht hier bereits reges Treiben.

Drei Erlebnisse, die ihr auf dem Markt Heishan nicht verpassen dürft:
1. Eine Schüssel Guilin-Reisnudeln (Mi Fen) für 3,5 Yuan – Ja, richtig gelesen: Zwei Liang (etwa 100 Gramm) Reisnudeln mit eingelegtem Gemüse, Ei und Fleisch kosten nur 3,5 Yuan. Besonders die Reisnudeln von „Lao Jiu“ werden von den Einheimischen für ihren hervorragenden Geschmack geschätzt. Esst sie wie die Einheimischen: Erst die trockenen Nudeln genießen, dann zum Schluss die Brühe trinken – so entfaltet sich das volle Aroma.
2.Die Macht der „Kohlenhydrat-Bomben“ entdecken – Der Markt Heishan ist ein wahres Paradies für Liebhaber von Kohlenhydraten. An den Ständen mit frittiertem Hefeteig wird der Teig, so dick wie ein Unterarm, in lange Streifen gezogen und ins heiße Öl gleiten gelassen – im Nu bläht er sich zu einem goldbraunen Gebäck auf, außen knusprig, innen weich. Dazu gibt es allerlei süße und herzhafte Spezialitäten mit unbekannten Namen: Der Chuanshang Gao (in Bananenblättern gedämpfter Taro-Kuchen mit Räucherfleisch) ist würzig-herzhaft; der Aiye Baba (Klebreis-Klößchen mit schwarzer Sesampaste, in Beifuß-Blätter gewickelt) ist weich, zäh und süß. Der Wucai Nuo Mifan (bunter Klebreis, mit natürlichen Pflanzenfarben gefärbt) ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch köstlich – ein Fest für Augen und Gaumen!

3. Obst satt genießen – Guilin ist eine Stadt, in der Obst wirklich noch bezahlbar ist. Der Markt ist voll mit exotischen Früchten, von denen ihr viele noch nie gesehen habt – und das zu Preisen, die für europäische Verhältnisse kaum zu glauben sind. Ein halbes Kilo frisches Obst kostet oft weniger als eine Tasse Kaffee in Deutschland. Ihr könnt einfach draufloskaufen und probieren, was euch anlächelt – hier gibt es keine teuren Importpreise, sondern nur saisonale Vielfalt pur.
Alternative: Der Markt Xishan
Wenn ihr im Bezirk Xiufeng übernachtet, ist der Markt Xishan eine ebenso gute Wahl. Er liegt direkt neben dem Xishan-Park – nach dem Bummel über den Markt könnt ihr also die Seerosen im Park bewundern. Die beiden großen Morgenmärkte Guilins – Heishan und Xishan – haben jeweils ihren eigenen, lebendigen Charme.

II. Die Nachtmärkte: Wenn die Nacht hereinbricht, beginnt das Straßenleben
Die Nächte in Guilin sind niemals einsam. Sobald die Laternen angehen, fangen die Grillspieße auf dem Grill an zu zischen, und selbst der Wind trägt den würzigen Duft von Essen mit sich.
Der Nachtmarkt Shijiayuan – Der „Champion“ der Guilin-Nachtküche
Die Shijiayuan-Straße gilt als der „König“ der Guilin-Nachtmärkte. Sobald es dunkel wird, verwandelt sich dieser Ort in eine Galaxie von Köstlichkeiten: Der kräftige Geschmack des Öl-Tees, die frische Schärfe der Reisnudeln, die Süße und Zähigkeit der in Zuckeröl gebratenen Klöße – all das erfüllt die Gegend. Um halb zwölf abends ist hier noch Hochbetrieb. Besonders empfehlenswert ist die Fluss-Schnecken-Suppe mit Entenfüßen – der nächtliche Lieblingssnack der Einheimischen. Für uns Europäer, die wir nach dem Abendessen vielleicht einen Verdauungsschnaps oder ein Feierabendbier trinken, ist die Nachtmarkt-Kultur hier eine völlig neue Erfahrung: Um 23 Uhr ist die ganze Straße noch voller Leben – gegrillt, geschlürft und gelacht wird bis in die frühen Morgenstunden.
Der Nachtmarkt an der Xianhu-Straße – Das Paradies für Fleischliebhaber
Wenn ihr Fleisch liebt, ist der Nachtmarkt an der Xianhu-Straße ein absolutes Muss. Die gesamte Straße ist gesäumt von Grillständen mit der Aufschrift „Longsheng-Sanmen-Rind“. Rindfleischspieße werden über Holzkohle gedreht, während die Fetttropfen langsam die Fleischfasern hinabgleiten. Bestäubt mit einer lokal gewürzten Chilipulvermischung, explodiert beim ersten Biss der Fleischsaft im Mund. Dazu eine eiskalte Flasche lokales Bier – und das Glück ist so einfach wie direkt.

Zhengyang-Fußgängerzone und Shegong-Gasse – Versteckte lebendige Winkel im Stadtzentrum
Die Zhengyang-Fußgängerzone liegt im Herzen von Guilin, von der Shanhu-Nordstraße bis zur Jiefang-Oststraße. Hier findet ihr sowohl Imbissstände als auch kleine Läden, die erschwinglichen Schmuck verkaufen – ähnlich wie die kleinen Gassen in Salzburg oder Heidelberg, nur noch viel lebendiger. Die angrenzende Shegong-Gasse birgt alte Handwerkstraditionen: Frisch zubereitete Aiye Baba (Beifuß-Klößchen) und dicker, süßer Sirup warten auf euch. Wenn ihr satt seid, könnt ihr zum zentralen Platz gehen und beim „Greif den Plüschtier-Automaten“ mitspielen – so erlebt ihr hautnah den entspannten, fast schon gemütlichen Lebensstil der Einheimischen, der an einen Sonntagnachmittag im Wiener Prater erinnert.
Der Nachtmarkt Tiexi – Ein geheimer Gastro-Winkel, versteckt vor den Touristen
Tiexi versteckt sich zwischen den dicht gedrängten Gassen alter Wohnblocks – ein Geheimtipp, den ihr in keinem Standard-Reiseführer findet! Hier gibt es keine auffälligen Dekorationen wie in den trendigen Straßen, sondern nur diese authentische Alltagsatmosphäre, die ein fester Bestandteil der Seele der Guilin-Bewohner ist. Viele Läden haben von morgens bis abends geöffnet, aber die Nacht gehört den Grillständen. Dies ist der ideale Ort, um die unverfälschte Guilin-Stimmung zu erleben – fernab von Touristenströmen, genau wie ein gut gehütetes Lokal in einer Hintergasse in Köln oder Hamburg.
Die Weststraße in Yangshuo – Die „schlaflose Stadt“, wo Ost und West verschmelzen
Wenn ihr Zeit habt, empfehle ich wärmstens einen Besuch der Weststraße in Yangshuo. Das Kopfsteinpflaster aus grünem Stein spiegelt den warmen Schein der Laternen wider: Mit der linken Hand könnt ihr eine Schale authentischer Guilin-Reisnudeln genießen, während ihr mit der rechten Hand einen frisch gemixten Cocktail schlürft – das ist multikulturelles Flair pur, fast so wie in den angesagten Vierteln von Berlin-Kreuzberg oder Zürich-West, nur mit chinesischem Charme. Diese weniger als einen Kilometer lange Altstraße (800 Meter) zeigt ein anderes Gesicht Guilins, jenseits der Naturlandschaft: tagsüber Berge bestaunen, nachts in der Weststraße feiern. Vom Zentrum Guilins nehmt ihr den Hochgeschwindigkeitszug bis zum Bahnhof Yangshuo, dann wechselt ihr in den Shuttle-Bus – in etwa 40 Minuten seid ihr am Ziel.

III. Praktische Tipps für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum
Zeiten: Die beste Zeit für den Morgenmarkt ist zwischen 7:00 und 9:00 Uhr – dann ist das Angebot am größten und die Atmosphäre am lebendigsten, perfekt für Frühaufsteher (oder für die, die den Jetlag noch nicht überwunden haben!). Für den Nachtmarkt empfehle ich einen Besuch nach 20:00 Uhr; vor 19:00 Uhr haben viele Stände gerade erst geöffnet, und die Stimmung ist noch nicht so richtig in Fahrt – also lieber erst gemütlich essen gehen und dann losziehen.
Zahlung: Die meisten Stände akzeptieren nur Bargeld oder WeChat Pay / Alipay. Es wird dringend empfohlen, etwas Bargeld in kleineren Scheinen (10-, 20-, 50-Yuan-Scheine) mitzuführen, da die kleinen Händler möglicherweise nicht genug Wechselgeld für große 100-Yuan-Scheine haben.
Wichtiger Hinweis für Reisende aus DACH: WeChat Pay und Alipay lassen sich nur mit einer chinesischen Bankverbindung oder einer hinterlegten internationalen Kreditkarte mit entsprechender Freigabe nutzen – das klappt nicht immer reibungslos. Deshalb: Bargeld ist König! Sicherheitshalber solltet ihr auch eine Kreditkarte (Visa/Mastercard) für größere Ausgaben in besseren Restaurants dabei haben, aber für die Märkte reicht Bargeld völlig aus.
Geschmack: Die Küche Guilins tendiert zu sauer und scharf – das ist völlig anders als die gewohnte mitteleuropäische Küche mit viel Butter, Sahne und Knödeln. Wenn ihr es nicht scharf mögt, sagt unbedingt „bú yào là“ (nicht scharf). Aber den Öl-Tee aus Gongcheng solltet ihr unbedingt probieren – sein einzigartiger, erst bitterer, dann süßlicher Nachgeschmack ist eine Geschmackserinnerung, die es nur in Guilin gibt. Und keine Angst vor „Exoten“ wie Hühnerfüßen oder Schweineohren – vieles schmeckt besser, als es klingt!
Verkehr: Das Zentrum Guilins ist nicht sehr groß, und Leihfahrräder (Didi Bike, Meituan Bike) sind überall verfügbar – ähnlich wie in Amsterdam oder Kopenhagen, nur mit mehr Bergen im Hintergrund! Es ist sehr bequem, mit dem Rad zwischen den Sehenswürdigkeiten zu pendeln. Für die Nachtmärkte empfiehlt sich ein Taxi (sehr günstig, etwa 2–3 Euro für eine Kurzstrecke) oder ein E-Roller (über Didi oder Meituan ausleihbar), da viele Marktgassen eng sind und man mit dem Auto leicht im Stau stecken bleibt. Die chinesischen Taxi-Apps funktionieren am besten mit einer lokal eingelegten SIM-Karte – fragt einfach euren Hotel-Concierge um Hilfe.
Haltung: Betrachtet den Marktbesuch nicht als bloße „touristische Attraktion“. Genau wie wir auf dem Wiener Naschmarkt oder dem Münchner Viktualienmarkt – geht gemütlich, schaut euch in Ruhe um, kauft, was euch gefällt, und esst beim Bummeln. Probiert ruhig etwas Unbekanntes, lasst euch von den Verkäufern beraten (die freuen sich oft riesig über ausländische Gäste!). Es spielt keine Rolle, ob ihr den Guilin-Dialekt nicht versteht – der Duft des Essens und das Lächeln der Verkäufer sind eine universelle Sprache, die jedes Sprachproblem überbrückt.
Nützliche Informationen
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